Skip to main content

Forextrading: Money- und Risikomanagement

Wer an der Forex handelt, muss wie bei jedem Börsenhandel Money- und Risikomanagement betreiben. An der Forex bestehen dabei einige Besonderheiten.

Grundsätzlich: Welche Risiken gibt es beim Forexhandel?

  • #1 Risiko von Marktschwankungen inklusive Overnight-Gaps
  • #2 Risiko eines technischen Ausfalls beim Broker oder bei der eigenen Internetverbindung
  • #3 Risiko mangelhafter Kursstellung inklusive Slippage
  • #4 Risiko erratischer Kursbewegungen (Besonderheit der Forex)
  • #5 Risiko hoher und/oder stark veränderlicher Spreads (teilweise spezielles Risiko der Forex)

Schauen wir uns nun diese Risiken im Detail an.

#1 Risiko von Marktschwankungen

Risikomanagement forexDieses Risiko besteht bei jedem Börsenhandel. Grundsätzlich sind Kurse nicht sicher prognostizierbar. Gerade Einsteiger in das Trading sollten sich diesen Aspekt immer vor Augen führen: Es gibt mit Stand 2020 keine gültige Theorie, warum und wie sich Kurse in eine bestimmte Richtung bewegen. In einem anderen Beitrag gehen wir näher auf dieses Phänomen ein. Natürlich gab und gibt es immer wieder Versuche, die Kursentwicklung theoretisch zu begründen (fraktale Geometrie, Chaostheorie etc.), doch noch niemand hat mit solchen Theorien erfolgreich gehandelt. Das ist jedoch kein so großes Problem, wie man annehmen könnte. Auch für das Wetter gibt es keine endgültigen Theorien, trotzdem kommen wir irgendwie damit klar – und das schon seit Menschengedenken. Wir schauen morgens nach draußen und stecken bei trübem Himmel zur Sicherheit den Regenschirm ein. Trader, die so vorgehen, sind am erfolgreichsten: Wenn sich die Stimmung eintrübt, ziehen sie ihre Stopps heran oder steigen gleich ganz aus der Position aus. Das ist ihr Regenschirm.

Wie lassen sich sonst noch die Risiken von Marktschwankungen begrenzen? Nun, wenn wir kein eindeutiges Kursmuster vorfinden, steigen wir in die Position nicht ein. Bei Ranges setzen wir Kaufstopps in beide Richtungen: Der Markt könnte sich demnächst nach oben oder unten bewegen. Das ist übrigens eine der Besonderheiten der Forex. Da hier grundsätzlich Swings und keine Trends vorherrschen, sind immer Kursausschläge in beide Richtungen möglich. Man kauft also an der Forex grundsätzlich keine Rücksetzer in einem Trend. Von Trends geht man gar nicht erst aus. Gegen Overnight-Gaps gibt es zwei Möglichkeiten der Absicherung: Entweder handeln wir nur intraday, halten also keine offenen Positionen über Nacht, oder wir kaufen am Ende des Tages zwei sehr preiswerte Derivate in die beiden gegensätzlichen Richtungen. Ein sehr billiger Call oder ein sehr billiger Put könnten am Folgetag durch das Gap sehr viel wertvoller geworden sein, während die Gegenseite zwar ausgeknockt wurde, jedoch dieser Verlust sehr viel kleiner ist als der entstandene Gewinn. Doch Vorsicht: Bei diesem Verfahren ist strikt zu überprüfen, ob der Emittent die Scheine nicht außerbörslich ausknocken lässt. Dann könnten bei einer starken Kursschwankung über Nacht beide Scheine ausgeknockt werden.

#2 Risiko eines technischen Ausfalls beim Broker oder bei der eigenen Internetverbindung

Gegen dieses Risiko gibt es die Methode, sich mit Kaufstopps in beide Richtungen abzusichern – allerdings nur mit Derivaten (bzw. jeglichen Handelsinstrumenten), die börslich platziert werden. Beim CFD-Trading, bei dem der Broker der Emittent ist, würde das nichts nützen. Der Broker müsste dann fairerweise einen Verlust erstatten und wäre laut MiFID-Richtlinien auch dazu verpflichtet. Börslich platziert werden beispielsweise Knock-outs, wenn sie der Trader an der Börse (meistens Stuttgart oder Frankfurt) platziert. Er kann sie bei seinem Broker auch grundsätzlich beim Emittenten per OTC und auch per Kaufstopp kaufen.

Dass eine Börse ausfällt, ist äußerst selten. Wenn nun je ein Kaufstopp für einen Call und einen Put platziert wurden, besteht nur noch das Risiko im Abstand zwischen diesen beiden Kaufstopps. Jetzt könnten (bei börslicher Platzierung) sowohl der Broker als auch das eigene Internet ausfallen – die Kaufstopps würden trotzdem greifen. Schlimmstenfalls würden dann ein Call und ein Put gleichzeitig laufen, was zunächst einen Verlust bedeutet, der aber möglicherweise auszugleichen ist, wenn die Technik wieder läuft. Diese Methode hat den Vorteil, das bei funktionierender Technik die Kaufstopps während des Kursgeschehens permanent verändert werden können, um das Risiko anzupassen (zu verkleinern). Daher muss der Trader auch nicht ständig den Kurs beobachten. Wenn einer der beiden Scheine eingebucht wurde, erhält er einen Stopploss. Der andere Kaufstopp wird dann gelöscht.

#3 Risiko mangelhafter Kursstellung inklusive Slippage

Die mangelhafte Kursstellung ist ein großes Ärgernis. Sie basiert darauf, dass Broker, Emittenten, Börsen und erst recht kostenlose Börsenseiten nicht genügend in ihre Datenfeeds investieren oder diese manchmal eben nicht funktionieren. Die Kurse werden dann nicht mehr sekundengenau angezeigt, es gibt plötzliche Kurssprünge und damit verbunden auch jede Menge Slippage bei der Ausführung. Diese Slippage ist nicht zu unterschätzen: Sie kann 10, 30 oder 100 Pips betragen, manchmal auch mehr. Damit ist dann jede Planung Makulatur. Gegen dieses Risiko gibt es zwei Sicherungsmöglichkeiten: Erstens sollte der Trader nur Scheine wählen, deren Kursstellung vollkommen normal erfolgt. Es gibt unter den Abertausenden von Derivaten immer welche, deren Kurse besonders gut, und welche, deren Kurse sehr schlecht gestellt werden. Zweitens ist ein sehr volatiler Markt beispielsweise in Crashphasen immer anfällig für schlechte Kurse, viel Slippage und schlimmstenfalls den Totalausfall der Systeme. Auch wenn es verlockend ist, bei einem Crash mit einem Put viel zu verdienen, ist hier höchste Vorsicht geboten.

#4 Risiko erratischer Kursbewegungen (Besonderheit der Forex)

Erratisch bedeutet unkalkulierbar, schlingernd, nicht stringent. Die Forex, darauf haben wir an anderer Stelle schon hingewiesen, bildet eher keine Trends aus. Gerade die am häufigsten gehandelten Majorwährungen bewegen sich eher in Swings gegeneinander. Eigentlich handelt es sich um gleich starke Währungen, von denen nicht eine gegen die andere endlos tendiert. Nun wäre es verlockend, einen Swing zu handeln, also immer den Berg hinauf und hinunter, doch so einfach ist es leider nicht. Die Kurse verhalten sich wirklich erratisch, also oft vollkommen diffus, unberechenbar und teilweise mit heftigen Ausbrüchen. Kluge Forex-Trader stellen sich darauf ein und haben immer Kaufstopps in beide Richtungen platziert – es sei denn, sie wurden in eine Position eingestoppt, der Kurs hat sich danach noch weiter in diese Richtung bewegt, nun steht der Stopploss schon im Gewinn. Dann kann der Kaufstopp in die Gegenrichtung gelöscht werden – wenn der Trader nicht zusätzlich zwei neue Kaufstopps platzieren möchte. Das kann man machen, es ist aber wirklich aufwendig. Die Besonderheit der Forex lautet: Seien Sie hier immer auf alles gefasst!

#5 Risiko hoher und/oder stark veränderlicher Spreads (teilweise spezielles Risiko der Forex)

Die Broker und Emittenten passen ihre Spreads an die Marktsituation (besonders die Volatilität) an. Das machen sie schon seit Jahr und Tag, doch dieses Problem hat sich seit Ende 2018 deutlich verschärft. Der Hintergrund: Im Sommer 2018 begann die ESMA (European Securities and Markets Authority, EU-Finanzbehörde), den privaten Tradingmarkt besonders stark zu regulieren. Sie verbot die binären Optionen für Privattrader und reduzierte für diese auch stark die erlaubten Hebel auf CFDs. Die Hintergründe wollen wir an dieser Stelle nicht auswalzen: Die ESMA glaubt, auf diese Weise die privaten Trader vor sich selbst schützen zu müssen (so ähnlich, wie Warnhinweise auf Zigarettenschachteln die Raucher vor sich selbst schützen sollen). Wie dem auch sei: Die Emittenten anderer Handelsinstrumente wie etwa der Knock-outs wurden daraufhin sehr vorsichtig und ziehen seitdem die Spreads manchmal abnorm weit auseinander – möglicherweise, um Trader vom Kauf eines Scheins abzuhalten, der kurz vor dem Knock-out stehen könnte. Das geschieht besonders gern im Forexbereich mit seiner hohen Volatilität. Es wirkt absurd, könnte aber schlimmstenfalls, wenn es nach einem Kauf geschieht, zu einem Verlust führen. So genau weiß das niemand. Wer dieses Risiko umgehen will, muss seither etwas teurere Scheine wählen, bei denen dieses Phänomen nicht zu beobachten ist. Das heißt, für das Trading ist heutzutage etwas mehr Kapital erforderlich.

Moneymanagement: Wie viel können Sie riskieren?

Sie haben diesen Satz schon gefühlte eine Million Mal von biederen Bankangestellten gehört, aber er stimmt trotzdem: Riskieren Sie glatt so viel, wie Sie sich leisten können zu verlieren. Das müssen Sie bei jeder Position neu ausrechnen. Dieses „erlaubte“ Risiko bedeutet: Wenn Sie das Geld verlieren, passiert Ihnen nichts. Sie haben weder einen Kredit aufgenommen noch Ihr Haus verkauft, um zu spekulieren. Sie hätten das Geld sonst gespart, vielleicht wären Sie damit in einen Zusatzurlaub gefahren. Nun gut, auf diesen müssen Sie nun verzichten, doch davon geht die Welt nicht unter. Wenn Sie sich etwas motivieren wollen, sparen Sie auf Ihrem Tradingkonto Geld an, von dem Sie zum Beispiel fünf oder zehn Prozent riskieren – den Rest haben Sie immerhin gespart. Vergessen Sie nicht: Wenn Sie erst im Plus sind, können Sie auch mehr riskieren!