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Forex: Preisbildung und bevorzugte Währungen

Wer an der Forex handelt, muss wissen, wie dort die Kurse zwischen einzelnen Währungen entstehen und in welche Währungen es sich lohnt zu investieren.

Preisbildung an der Forex: Makroökonomie

In der Theorie der Makroökonomen spiegelt die Stärke einer Währung die Stärke des vertretenen Wirtschaftsraums wider. Das ist aber nur einer von mehreren Aspekten. Die Wirtschaftsstärke führt unter anderem zu Nettoauslandsinvestitionen, für die entsprechende Devisen benötigt werden. Das bedeutet: Wenn ein Land im Euroraum (zum Beispiel Deutschland) wirtschaftlich sehr stark ist, expandieren seine Unternehmen ins Ausland, richten dort Fabriken ein, kaufen Grundstücke, beziehen Rohstoffe und Energie und heuern Arbeitskräfte an.

Dafür brauchen sie Devisen. Wenn sie diese kaufen sollten, beeinflusst das den Wechselkurs. Es gibt aber noch weitere Faktoren, so etwa die Zinspolitik der jeweiligen Zentralbanken und die Handelstätigkeit zwischen den Staaten. Des Weiteren ist der Devisenmarkt vom Kreditmarkt abhängig und umgekehrt. Die Gesamtheit aller Einflüsse und ihre exakte Gewichtung lässt sich nicht bestimmen. Das wird immer wieder unter anderem von News-Tradern versucht, die anhand der Nachrichtenlage eine mögliche Devisenkursentwicklung prognostizieren möchten. Das gelingt nur begrenzt und in Bezug auf die Makroökonomie, die für das Positionstrading interessant wäre, meistens gar nicht. Bestenfalls starke Wechselkursschwankungen nach der Bekanntgabe eines Zinsentscheids durch eine Zentralbank lassen sich handeln.

Nach dem jeweiligen Statement des Zentralbankchefs (der Chefin wie derzeit Christine Lagarde für die EZB, Stand 2020) springen die Kurse meistens. Allerdings können sie in beide Richtungen springen, auch kurz nacheinander. Das bedeutet: Es ist eine Gut-zu-wissen-Information, dass etwa der Wechselkurs des britischen Pfunds gegen den Euro momentan irgendetwas mit dem Brexit zu tun hat. Doch die einfache pauschale Aussage, dass das Pfund gegen den Euro sinken müsste, weil doch die Briten bei einem No-Deal-Brexit viel mehr zu verlieren haben als die EU, greift zu kurz. Wer sich die Kursentwicklung seit dem Beginn der Brexit-Verhandlungen einmal anschaut (März 2017), wird feststellen, dass zwischenzeitlich immer mal das Pfund die Oberhand gewann, dann wieder der Euro. Insgesamt bewegt sich der EUR/GBP-Kurs seit jener Zeit in einer breiten Range. Das sieht so aus, als ob der Brexit auf das Währungsverhältnis keinen großen Einfluss hätte.

Dabei ist zu beachten, dass sich Währungskurse ja auch in Dreiecksverhältnissen und noch viel komplexeren Konstellationen gegenseitig beeinflussen, so etwa das Dreiecksverhältnis EUR/GBP, EUR/USD und GBP/USD. Diese drei Paarungen der drei Majors werden alle sehr intensiv gehandelt. Auf der makroökonomischen Ebene spielt es eine Rolle, dass die Briten sich nach dem Brexit offenkundig mehr mit der US-Wirtschaft verbandeln und wenigstens in Teilen von der Euro-Wirtschaft abwenden werden sowie die Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA durch die Sanktionspolitik von US-Präsident Donald Trump belastet sind. Auf der reinen Handelsebene wiederum kann es sein, dass große, stark kapitalisierte Händler manchmal eher den GBP/USD (sogenannter „Cable“), ein anderes Mal wieder mehr den EUR/USD oder den EUR/GBP handeln – je nachdem, wo mehr „los ist“ bzw. wo sie sich aus unterschiedlichen Gründen eine bessere Prognose zutrauen. Diese Aktivitäten beeinflussen natürlich auch die Kurse.

Immer wieder versuchen Börsenkommentatoren, solche Zusammenhänge zu ergründen und zu kommunizieren. Wir raten indes davon ab, aus makroökonomischen Zusammenhängen mögliche Devisenkursentwicklungen ableiten zu wollen. So etwas kann bei Aktien, Rohstoffen und Indizes noch gelingen, doch an der Forex erscheint es wegen der allzu komplexen Einflüsse aussichtslos. Wenn ein Unternehmen ein starkes Produkt in der Pipeline hat und daher sein Aktienkurs steigt, erscheint das noch nachvollziehbar. Warum aber Devisenkurse gegeneinander schwanken – jedenfalls in kürzeren, für Trader interessanten Zeiträumen –, ist kaum nachvollziehbar. Es gibt aber ein grundlegendes Gesetz, nämlich das der Swings bei Majorwährungen. Diese behandeln wir in einem anderen Beitrag noch genauer, ebenso wie wir in einem anderen Beitrag den empfehlenswerten charttechnischen Ansatz beim Forexhandel erläutern.

Was hat es mit dem Gesetz der Swings bei Majorwährungen auf sich?

Wenn die ökonomische Makrotheorie grundsätzlich stimmt, dass die Stärke eines Wirtschaftsraumes an der Stärke seiner Währung ablesbar ist, müssen sich die Währungen starker Volkswirtschaften grundsätzlich in Swings gegeneinander bewegen. Der Grund: Wenn zwei Volkswirtschaften in etwa gleich stark sind, kann nicht eine Währung gegen die andere immer stärker werden. Es bildet sich also kein länger währender Trend aus. Die Swings finden prinzipiell auch so statt, allerdings können sie in sehr langen Zeiträumen verlaufen und sich dabei in kleinere Swings auf kürzeren Zeitebenen unterteilen. Dies wiederum entspricht der Theorie, dass am Finanzmarkt ein fraktales Geschehen herrscht. Das bedeutet: Größere Bewegungen unterteilen sich in kleinere Bewegungen, die den größeren so ähnlich sind wie der Zweig eines Baumes dem Ast, an dem er wächst (Fraktale = selbstähnliche Gebilde). Fraktale findet man überall in der Natur, sie bilden bestimmte mathematische Relationen aus wie etwa die Fibonacci-Zahlen, die der Mathematiker Fibonacci da Pisa schon um das Jahr 1200 entdeckte. Dass dem Finanzmarkt fraktale Strukturen zugrundeliegen, vemutete unter anderem Ralph Nelson Elliott im frühen 20. Jahrhundert.

Der pensionierte Buchhalter analysierte mehrere Tausend Charts des Dow Jones, den es als Eisenbahnindex schon im 19. Jahrhundert gab, und ermittelte bestimmte Kursstrukturen, die fraktal sind, auch wenn Elliott diesen Begriff nicht verwendete. Er konstruierte daraus seine Elliott-Waves, nach denen manche Trader bis heute handeln. Der Mathematiker Benoît B. Mandelbrot (1924 – 2010) wiederum – ein „Einstein der Mathematik“ – fasste ab den späten 1970er Jahren die fraktale Geometrie in Formeln und versuchte, sie auf den Finanzmarkt anzuwenden, was in seinem Werk „Fraktale und Finanzen“ (2005) gipfelte. Darin konstatiert er allerdings, den Finanzmarkt nicht so weit mathematisch beschreiben zu können, dass er daraus Prognosen für die Kursentwicklung ableiten könne.

Diese Versuche des Praktikers Elliott und des Theoretikers Mandelbrot beweisen jedoch, dass es solche Strukturen am Finanzmarkt gibt, auch wenn wir sie nicht vollständig durchschauen. Das ist insofern nicht so sehr ein Problem: Es gibt bislang auch keine gültigen Theorien für das Wetter oder für seismische Aktivitäten, trotzdem kommen wir mehr oder weniger damit klar – wenn auch manchmal mehr schlecht als recht. Genauso ist es möglich, mit dem Finanzmarkt klarzukommen, allerdings nicht auf der Basis komplexer mathematischer Theorien. Für die Swings der Majorwährungspaare am Forexmarkt bedeutet dieses Hintergrundwissen: Es bildet sich wahrscheinlich nur sehr selten ein länger währender Trend etwa zwischen dem Euro und dem US-Dollar. Der Kurs schwingt unweigerlich wieder zurück. Das wiederum macht er auf allen Zeitebenen – von der Minute bis zum Jahrzehnt. Warum ist diese Information für Trader wichtig? Nun, wenn eine Aktie einen Trend ausbildet, was bei guter Entwicklung des Unternehmens zu erwarten ist, kann der Trader in diesen Trend auch mit sehr langfristigem Horizont einsteigen. Er kann beispielsweise Rücksetzer kaufen im Vertrauen, dass der Kurs sich wieder erholt. Dazu wäre bei einem Majorwährungspaar nicht zu raten.

Bevorzugt gehandelte Währungen an der Forex

Die vorangegangene Betrachtung ist auch deshalb wichtig, weil die Majorwährungspaare zu den bevorzugt gehandelten Währungen gehören. Die exotische Währung eines schwachen Landes könnte doch einmal einen Megatrend gegen eine Majorwährung ausbilden, wenn in dem Land Hyperinflation herrscht. Dann könnte ein Trader auf ihren endlosen Verfall spekulieren (so geschehen mit dem Simbabwe-Dollar ab 2006, der 2009 wegen einer Hyperinflation aufgegeben wurde). Doch solche exotischen Paare werden ganz selten gehandelt, Derivate auf sie gibt es gleich gar nicht. Vorrangig werden die Majors und Minors untereinander gehandelt. Majors sind die wichtigsten Währungen, sie werden als Reservewährung genutzt, Minors sind starke Währungen, quasi die zweitwichtigsten Währungen. Majors sind heute:

  • Euro
  • US-Dollar
  • britisches Pfund
  • japanischer Yen
  • Schweizer Franken

Für die Minors gibt es keine exakte Definition. Es sind Währungen (relativ) starker Wirtschaftsräume. Man zählt unter anderem diese dazu:

  • kanadischer, australischer und neuseeländischer Dollar
  • Hongkong-Dollar
  • skandinavische Kronen-Währungen
  • brasilianischer Real
  • russischer Rubel
  • südafrikanischer Rand
  • türkische Lira

Private Trader, die überwiegend bis ausschließlich mit Derivaten (CFDs, Knock-outs, Optionsscheinen) auf Währungskurse spekulieren, sollten sich immer anschauen, wie die Volatilität einzelner Währungen und ihre Paarungen gegen andere Währungen beschaffen ist und welche Derivate auf sie angeboten werden. Bei den Derivaten wiederum – wenn es sie überhaupt gibt – ist der Spread interessant. Es gibt Derivate auf Minors und sogar auf einige Exoten, doch manchmal sind dort die Spreads sehr hoch, weil der Broker die Schwankungen solcher Währungen auch kennt.