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Forex: Fundamentaldaten und Kursentwicklung von Euro und US-Dollar

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Währungskurse werden durch Fundamentaldaten beeinflusst. Wie in einem anderen Beitrag bereits erwähnt ist es kaum möglich, direkt nach den Fundamentaldaten zu handeln. Es ist aber gut zu wissen, welche Daten es gibt und welchen Einfluss sie auf die Stärke einer Währung nehmen können. Betrachten wir die beiden Leitwährungen der Welt: den Euro und den US-Dollar.

Der Euro

Die Europäische Zentralbank emittiert den Euro als Währung der Eurozone. Diese umfasst mit Stand 2020 die offiziellen 19 EU-Mitgliedstaaten der Eurozone (von insgesamt 27 EU-Mitgliedsstaaten), die assoziierten Euronutzer mit eigenen Münzen Vatikanstadt, Monaco, Adorra und San Marino sowie die passiven Euronutzer Kosovo und Montenegro. Der Euro ist nach dem US-Dollar die weltweit zweitwichtigste Reservewährung. Er wurde 1999 als Buchgeld eingeführt, 2002 löste das Eurobargeld die bisherigen Währungen der Euronutzer endgültig ab. Sie bleiben aber gültig. Wer noch D-Mark besitzt, kann sie zeitlich unbegrenzt gegen den Euro im festen Wechselkursverhältnis von 1 € = 1,95583 DM tauschen. Mit der Einführung des Euro übernahm die EZB die Rolle der Emittentin und Währungshüterin, die vorher die Notenbanken der einzelnen Länder wahrgenommen hatten. Es gibt diese Notenbanken aber noch (so die Deutsche Bundesbank), sie haben auch einen gewissen Einfluss auf das Währungsgeschehen im Euroraum.

Die Rolle der EZB

Die EZB ist der Geldwertstabilität verpflichtet. Diese bemisst sich an der Inflationsrate. Die Währungshüter der EU streben eine „gesunde“ Inflation von knapp 2 % an. Rund 90 Jahre lang – seit der Hyperinflation in Deutschland und Europa zwischen 1919 und 1923 – lag der Fokus stets darauf, die Inflation nicht zu sehr steigen zu lassen. Das galt auch immer wieder als problematisch, oft stiegen die Preise zu stark. Seit den Wirtschafts- und Währungskrisen der frühen 2000er Jahre aber hat sich der Trend gedreht: Heute gilt die gegenteilige Deflation (Güter und Dienstleistungen werden billiger statt teurer) als das Problem.

Die EZB hat mit permanenten Zinssenkungen gegengesteuert, bis sie den Leitzins schließlich im Jahr 2016 auf 0,0 % senkte und seither sogar immer höhere Strafzinsen auf bei ihr geparktes Geld von nationalen Zentralbanken erhob. Diese geben diese Strafzinsen in Teilen an die inländischen Banken, diese wiederum an die Kunden weiter (auf Tradingkonten wird bei einigen Brokern schon seit 2018 ein Strafzins ab dem ersten nicht investierten Euro erhoben). Neben der Festlegung von Leitzinsen hat die EZB wie jede Zentralbank weitere Mittel, um in den Finanz- und Wirtschaftskreislauf einzugreifen. Das wichtigste dieser Mittel ist das sogenannte Quantitative Easing (QE). Das sind Anleiheaufkäufe, welche die Wertpapiere von Staaten und Unternehmen stützen. Wichtig für das Währungsverhältnis zwischen Euro und US-Dollar ist nun, dass die US-amerikanische Fed, die für den Dollarraum eine ähnliche Rolle wie die EZB für den Euroraum spielt, über genau dieselben Mittel verfügt. Sie setzt sie aber anders ein. So erhöhte sie mit der Erholung der US-Wirtschaft nach 2010 den Leitzins bis auf 2,5 % im Jahr 2018 (als er in Europa bei 0,0 % lag), erst dann senkte sie ihn wieder (Stand Juni 2020: 0,25 %).

Interessant ist die Kursentwicklung des EUR/USD: Dieser stieg bis 2018 auf 1,25 Dollar für einen Euro, dann – mit der Senkung der Fed-Leitzinsen – sank er wieder. Die im Vergleich niedrigeren Leitzinsen in der Eurozone machten den Euro stärker. Auf ähnliche Weise stabilisiert die japanische Zentralbank BoJ schon seit den späten 1990er Jahren den Yen. Ihr Leitzins wurde schon damals auf null gesenkt und nur selten sehr leicht angehoben. Übrigens geht die Fed auch mit QE-Programmen anders um als die EZB, sie setzt sie längst nicht so exzessiv ein. Diese europäischen Programme waren im Mai 2020 Gegenstand eines Urteils des deutschen Bundesverfassungsgerichts, das feststellte, dass die Geldpolitik der EZB nach deutschen Recht verfassungswidrig (weil eine verbotene Staaten- und Unternehmensfinanzierung) ist, weshalb sich die Deutsche Bundesbank in Zukunft an solchen Programmen voraussichtlich nicht mehr beteiligen darf. Die deutschen BVG-Richter stellten sich damit gegen anderslautende Urteile ihrer Kollegen vom EuGH, was einiges Aufsehen erregte. Es gibt aber noch weitere Einflüsse auf die Stärke einer Währung, die wir betrachten wollen.

Wirtschaftsleistung in der EU und der Eurozone

Im Jahr 2019 lag die Wirtschaftsleistung der Eurozone bei 11,91 Billionen Euro und damit leicht unter derjenigen der gesamten EU (13,92 Billionen Euro). Letztere sinkt durch den Austritt Großbritanniens um rund 15 %. Bei der Betrachtung des Währungsverhältnisses EUR/USD ist die Gesamtwirtschaftsleistung der EU wichtig, weil die beiden größten Wirtschafts- und Währungsräume der Welt auch ihre gegenseitig wichtigsten Handelspartner sind. Wenn beide Räume in etwa gleich stark sind und es sonst keine Veränderungen wie die beschriebenen Leitzinsveränderungen gibt, ändert sich am Kursverhältnis EUR/USD nicht viel. Weitere wichtige Kennzahlen, die kursbildend auf den Euro wirken, sind:

  • Inflation in der Eurozone
  • Arbeitslosenquote in der Eurozone
  • Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland (24,7 % der EU-Wirtschaftsleistung im Jahr 2019)

Der US-Dollar

Der US-Dollar ist nicht nur die offizielle Währung der USA, sondern auch von 15 weiteren Staaten. Das bedeutet: Der Dollarraum ist größer als der Wirtschaftsraum der USA, während der Euroraum etwas kleiner als die EU ist. Den US-Dollar gibt es schon seit 1785, was für eine Währung eine relativ lange Zeit ist (durchschnittliche Lebensdauer von Währungen in der Weltgeschichte: 27 Jahre). Dieser Aspekt spielt deshalb eine Rolle, weil der US-Dollar seine Rolle als Weltleitwährung nicht nur wegen der Stärke und schieren Größe der US-Wirtschaft spielt, sondern auch, weil man ihm aufgrund seines Alters vertraut, was beim Euro gerade (noch) nicht der Fall ist. Einen ähnlichen Status haben das britische Pfund und der Schweizer Franken, beides ebenfalls alte Währungen (das Pfund sogar die älteste noch gültige weltweit). Die US-Wirtschaft ist die größte der Welt und auch leicht größer als die der EU, allerdings hat sie ein großes Handelsbilanzdefizit, das den US-Dollar schwächt. Diesem Defizit begegnet US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen, die natürlich umstritten sind, aber aus Sicht der Wirtschafts- und Währungspolitik durchaus die US-Wirtschaft und den US-Dollar in Teilen stützen können.

Die Rolle der Fed

Die US-Fed ist ein Zusammenschluss von 12 Federal Reserve Banks in den USA. Sie ist daher anders strukturiert und agiert auch etwas anders als die EZB. Jedoch sind die grundsätzlichen Ziele dieselben: Auch die Fed achtet auf die Geldwertstabilität und beeinflusst sie mit Zinsentscheidungen und QE-Programmen. Dabei geht sie zwar auch expansiv vor, aber nicht ganz so stark wie die EZB (siehe oben). Ein wichtiges Momentum bei den Entscheidungen der Fed spielt in jüngster Zeit die Rolle von US-Präsident Donald Trump. Seit seinem Amtsantritt 2017 kritisiert er Entscheidungen der Fed, die doch wie alle Zentralbanken von entwickelten Staaten unabhängig bleiben will und muss. Doch der US-Präsident kann Fed-Posten besetzen und damit Kandidaten präferieren, die seinen Ambitionen folgen, was er auch mit der Ablösung der vorherigen Fed-Chefin Janet Yellen und der Einsetzung von Jerome Powell im Jahr 2018 tat. Letzterer betonte zwar seine Unabhängigkeit, doch ist es ein Wunder, dass der US-Leitzins seither von seinem Höchststand 2,5 % auf nunmehr 0,25 % sank? Die Fed erscheint damit zumindest unter der Präsidentschaft von Donald Trump längst nicht so unabhängig wie die EZB. Das ist für das Währungsverhältnis EUR/USD ein wichtiger Aspekt.

Indikatoren der US-Wirtschaft

Die Marktteilnehmer in den USA, somit auch die Akteure an der Forex, schauen auf ganz bestimmte Indikatoren, die prinzipiell dieselben sind wie in Europa, aber aus ökonomischen und traditionellen Gründen ein anderes Gewicht haben:

  • US-Verbrauchervertrauen: Weil die US-Wirtschaft sehr stark von der Binnennachfrage abhängt, spielt das Verbrauchervertrauen eine überragende Rolle. Die US-Amerikaner konsumieren viel, darunter viele einheimische Produkte, was Donald Trump durch Strafzölle auf ausländische Produkte noch verstärkte, gleichzeitig sparen sie wenig. Das Vertrauen von privaten Haushalten in die konjunkturelle Entwicklung und die Entwicklung ihrer persönlichen finanziellen Lage ist dementsprechend sehr wichtig. Den wichtigen Indikator des Verbrauchervertrauens erhebt schon seit 1978 die Universität Michigan durch die Befragung von Haushalten. Die Daten veröffentlicht sie immer in der Monatsmitte vorläufig und am Monatsende endgültig.
  • US-Arbeitsmarktdaten: Diesen Indikator gibt es in Europa auch, allerdings hat er wegen der sehr unterschiedlichen Entwicklung der Arbeitsmärkte in einzelnen EU-Mitgliedsstaaten ein geringeres Gewicht als in den USA. Dort präsentiert er sich etwas homogener, obgleich es hier natürlich auch Unterschiede zwischen Regionen und Bundesstaaten gibt. Entscheidend ist aber, dass die Daten einheitlich erhoben und als Einheit kommuniziert werden, während in Europa jedes Land vorrangig auf seine eigenen Arbeitsmarktdaten schaut. Die Daten veröffentlicht das US-Arbeitsministerium immer am ersten Freitag des Monats für den vorangegangenen Monat. Es gehören dazu nicht nur die Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe und die Zahl der Beschäftigten, sondern auch die wöchentliche Arbeitszeit und die Stundenlöhne. Damit liefert diese Statistik für die Einschätzung der Konjunktur relativ gute Aussagen.
  • ISM Einkaufsmanagerindex: Auch diesen Index gibt es in Europa, er wird aber wiederum in den USA noch stärker beachtet. Der Optimismus von Einkaufsmanagern des produzierenden Gewerbes sagt viel über die momentane wirtschaftliche Entwicklung aus. Er gilt als Frühindikator: Eingekauft wird für die kommenden sechs bis 12 Monate.